früher Landshut / Niederbayern - jetzt Marienhafe / Ostfriesland
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Seemannsschule Hamburg Finkenwerder
Eigentlich wollte ich ja Koch auf einem Schiff werden. Mir hatte es als kleiner Junge mordsmäßig imponiert, wie in Kiel auf einem Schlepper der Koch mit einer - jedenfalls für den kleinen Rainer damals - riesengroßen Pfanne hantierte und Bratkartoffeln drehte und wendete.
Die Bratkartoffeln verschwanden im Laufe der Jahre aus dem Blickfeld, aber die Seefahrt blieb irgendwie im Kopf. Mein Großvater war ja auch zur See gefahren. Auf Seglern zuerst, und dann auf segelunterstützten Dampfern. Er hat nur wenig erzählt über diese Zeit, gerade genug, daß auch ich eben zur See fahren wollte. Natürlich nicht nur an den Küsten Europas entlang. Nein, nein..., es sollte immer mehr die "Große Fahrt" sein. Die Welt wollte ich sehen.
Ende März 1961 war die Schule vorbei und die Berufsberatung der Freien und Hansestadt Hamburg gab sich viel Mühe, mir den Weg in die große weite Welt zu ebnen. Sie reservierten zunächst einmal einen Platz in der Seemannschule Hamburg-Finkenwerder für mich. Nichts wußte ich. Absolut nichts von dem, was auf mich zukam.
Aber ein Zurück gab es auf gar keinen Fall. Dafür hatte ich viel zu lange eine viel zu große Klappe.
Der wichtige Stempel der Seemannschule Finkenwerden im Seefahrtsbuch, mit der Unterschrift von Kapitän Mund.
In der Seemannschule Finkenwerder 1961 bei den Vorbereitungen zum Pullen. Aus den pubertierenden Jungs mußten schließlich seefahrtstaugliche Männer werden.
Ab 2. Mai 1961 wartete dieser internatsähnliche Betrieb nun auf mich. Jede Woche in die Berufsschule war ja auch für Seeleute gar nicht möglich. Also wurde alles in einem dreimonatigen Lehrgang in der "Mosesfabrik" erledigt.
Kapitän Mund, an den sich sicher noch viele deutsche Seefahrer erinnern, begrüßte uns mit einem launigen Vortrag über das Leben an Bord eines Schiffes. Wer wichtig ist, was wichtig ist und was wir auf der Schule lernen werden. "Eine Hand für's Schiff - die andere für dich" ist mir bis heute als Lebenshilfe geblieben und noch etwas: "Geht sparsam mit dem Wasser um - wenn davon zu wenig in den Tanks ist, nimmt sich nur noch der Kapitän täglich sein Bad und ihr bekommt nichts mehr". Ich glaube, er hatte solche Zeiten tatsächlich noch erlebt. Und es hat geholfen. Mein Leben lang konnte ich dieses, wie sich heute herausstellt, äußerst kostbare Naß nicht einfach so in den Ausguß fließen sehen.
Knoten, Spleißen, Segeltuch nähen, Flaggenkunde, gedrehte und geflochtene Hanf-, Kokus-Kunststoff- und Drahtleinen zum Festmachen des Schiffes an der Pier und die Kombinationen daraus. Schiffskunde, Ladung, und, und, und. Und Pullen. Pullen auf der Elbe. Um die Wette, mit Anlegen, gegen den Strom, mit dem Strom, mit Wechsel am Ruder, halt Riemen! Riemen auf! Riemen ein!... und zurück.
Und dann war da der Herr Manthey (so, glaub ich, war sein Name), 2. Steuermann und wohl zuständig für Theorie in vielfacher Variante.
Zum Ende hin durften wir in die Wanten des Flaggenmastes. Schon damals nicht mehr sehr praxisnah, aber dafür in Turnschuhen ziemlich schmerzhaft.
Wir bekamen dann soetwas wie bordangepaßte Dienstkleidung mit dünnsohligen Turnschuhen, der Latzhose, dem Khakihemd und dem Rollkragenpullover mit Reißverschluß. Das machte uns anders. Aber die Wirklichkeit holt jeden ein. Und so anders wollte auf einem Schiff der deutschen Handelsschiffahrt gar keiner sein.